Sprachgebrauch in CMC

WhatsApp und SMS in der mehrsprachigen Schweiz

Wie gestaltet sich der Sprachgebrauch von SchweizerInnen in CMC-Nachrichten?

  1. Während die Graphie und die Wortwahl in CMC-Daten stark von der Norm abweichen können, bleiben die Sprachstrukturen (die Grammatik) unverändert.
  2. Informanten passen ihren Sprachgebrauch an das jeweilige Thema und v.a. ihre Kommunikationspartner an.
  3. Code-Switching, also die Verwendung mehrerer Sprachen und Dialekte in einer Nachricht, ist in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern sehr häufig.

Unter der Leitung von Prof. Elisabeth Stark (Romanisches Seminar) werden seit 2009 SMS- und seit 2014 WhatsApp-Nachrichten sprachwissenschaftlich untersucht. Die Datengrundlage für zwei SNF-finanzierte Forschungsprojekte (s.u.) bilden zwei grosse Sammlungen authentischer Nachrichten, die von der Schweizer Bevölkerung nach Aufrufen in der Presse zur Verfügung gestellt wurden. Im ersten Projekt SMS communication in Switzerland: Facets of linguistic variation in a multilingual country (SNF-Projekt) wurden SMS-Nachrichten untersucht. Wichtigste Themen der Forschung waren Code-Switching (Wechsel zwischen Sprachen), grammatische Phänomene wie Ellipsen (Auslassungen) im Deutschen und im Französischen und die verschiedenen Varianten der Fragebildung im Französischen, sowie der Gebrauch des Dialektes im Tessin.

Das zweite Projekt What’s Up, Switzerland? Language, Individuals and Ideologies in mobile messaging (SNF-Projekt) baut teilweise auf dem ersten auf, denn die gesammelten WhatsApp Nachrichten sollen auch mit den SMS verglichen werden. Die Fragen nach Ellipsen und Code-Switching werden weiterverfolgt, wobei der Fokus sich etwas erweitert, da nun nicht isolierte Nachrichten zur Verfügung stehen, sondern ganze Chats, also der Kontext, in dem die Nachrichten situiert sind, oft mit mehreren Beteiligten. Als weitere Themen kommen die graphische Gestaltung der WhatsApp-Nachrichten (also Fragen der Schreibung und der Verwendung von Emojis), die Betrachtung des Sprachgebrauchs einzelner Schreibender im Hinblick auf Anpassungsprozesse sowie, auf einer Meta-Ebene, die Analyse des öffentlichen Diskurses in den Schweizer und internationalen Medien über die Sprachverwendung in WhatsApp und anderen digitalen Kommunikationsformen hinzu.

Um den schriftlichen privaten Sprachgebrauch im Alltag untersuchen zu können, sind wir auf die Unterstützung von Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die der Forschung authentische Nachrichten zur Verfügung stellen. Nur wenn solche Daten in grossen Mengen zur Verfügung stehen, können valide Aussagen über den Sprachgebrauch gemacht werden. Die UZH ist dabei federführend, andere beteiligte Universitäten sind Bern, Neuchâtel und Leipzig. Untersucht werden Nachrichten in allen vier Schweizer Landessprachen: (dialektales und nicht-dialektales) Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. In beiden Projekten wurde sehr viel Wert gelegt auf Datenschutz. So verwenden wir nur Nachrichten von Personen, deren ausdrückliche Zustimmung wir haben, und alle Daten wurden anonymisiert.

 

Projektbeteiligte:

  • Leitung: Elisabeth Stark, UZH; Koordination: Simone Ueberwasser, UZH
  • WhatsApp: (Post-Docs: Samuel Felder (Leipzig), Vanessa Jaroski (Bern), Rossella Maraffino (Bern), Etienne Morel (Neuchâtel), Christina Margrit Siever (UZH), Franziska Stuntebeck (UZH). Ko-Leitung: Federica Diémoz (Neuchâtel), Christa Dürscheid (UZH), Silvia Natale (Bern), Beat Siebenhaar (Leipzig), Crispin Thurlow (Bern). Computerlinguistik: Anne Göhring (UZH)
  • SMS: Claudia Bucher (Leipzig), Claudia Cathomas (Bern), Nicola Ferretti (Bern), Karina Frick (UZH), Alex Guryev (Neuchâtel), Etienne Morel (Neuchâtel), Aurélia Robert-Tissot (UZH); Ko-Leitung: Marie-José Béguelin (Neuchâtel), Christa Dürscheid (UZH), Bruno Moretti (Bern), Beat Siebenhaar (Leipzig). Computerlinguistik: Beni Ruef (UZH)